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Archive for November, 2007

10 of 17 (For full text and audio, go to Radio Vaticana)

AP: Sie sprechen von Auschwitz. Sie kennen den Auspruch: nach Auschwitz kann man nicht mehr an Gott glauben?

JM: Ja, den Auspruch kenne ich. er ist falsch. Ein jüdischer Freund hat mir gesagt: «Wir können Hitler nicht einen posthumen Sieg zuerkennen, indem wir nicht mehr an Gott glauben!» Denn das wollte er durch Auschwitz erreichen: nicht nur das jüdische Volk, sondern auch den Glauben an den Gott Israels vernichten. Theologie nach Auschwitz ist wie eine Theologie nach Golgatha.

Das müssen wir ernst nehmen. Theologie nach Auschwitz ist eine Kreuzestheologie. Wenn die Jünger nach Golgatha von Gott sprechen konnten, dann können auch wir nach Auschwitz von Gott sprechen.

der Auspruch expression
der Jünger disciple
das Kreuz cross
der Sieg victory

erkennen recognize
erreichen reach, attain, achieve
glauben believe
kennen know
können can, be able
nehmen take
sagen/gesagt say
sprechen speak
vernichten destroy
wollte (cond of wollen) would have

ernst serious/ly
indem while, by, in that
wie as

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9 of 17 (For full text and audio, go to Radio Vaticana)

AP: Sie sind mit dem bedeutenden katholischen Theologen Johann Baptist Metz befreundet und gelten wenn ich das so sagen darf – als sein protestantisches Gegenstück. Was der katholische Theologe in seiner «Politischen Theologie» ausdrückt, ist gewissermaßen auch das Anliegen Ihrer «Theologie der Hoffnung»?

JM: Ja, das stimmt. Ich bin Johann Baptist Metz sehr dankbar für diese Freundschaft und Gemeinsamkeit durch so viele Jahre hindurch. Die «Politische Theologie» war eigentlich unsere Antwort auf das Versagen der Kirchen und der Christenheit auf Auschwitz. Warum hat die Kirche versagt? Es gab genug Helden in der Kirche, aber warum haben die Kirchen geschwiegen?

Darüber gibt es eine Menge Gründe zu nennen: wahrscheinlich am meisten, dass man gesagt hat: Religion ist Privatsache und hat mit der Politik nichts zu tun. Und um dieses Gefängnis «Religion ist Privatsache» zu durchbrechen, haben wir damals die politische Theologie entwickelt.

das Anliegen matter of concern
die Antwort answer
das Gefängnis prison
das Gegenstück opposite, counterpart
das Grund; (pl) die Gründe ground, basis, reason
der Held hero
die Menge amount, quantity; crowd, mass (of people)
die Privatsache private matter
das Versagen failure, breakdown

ausdrücken press out; express
befreunden (cf. der Freund, die Freundschaft) befriend
darfen may
durchbrechen break through
entwickeln develop
gelten be valid; (with als) to be regarded as
nennen name
schweigen/geschwiegen be silent
stimmen be correct
tun do
versagen deny, refuse; fail

am meisten the most (superlative of viel)
damals at that time; then
bedeutend famous
dankbar thankful
genug enough
gewissermaßen so to speak
hindurch through
um (introduces purpose clause) in order to . . .
wahrscheinlich probable/probably

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8 of 17 (For full text and audio, go to Radio Vaticana)

AP: Es ist bekannt, dass das Denken des marxistisch geprägten Philosophen Ernst Bloch und sein berühmtes Prinzip Hoffnung in Ihrer Theologie der Hoffnung einen konkreten Niederschlag gefunden hat. Wo begegnen sich hier die Geister?
JM:
Ernst Blochs Prinzip Hoffnung ist eigentlich eine Theorie des jüdischen Messianismus. Darin ist er großartig. Er hat einmal gesagt: Warum haben die Christen keine Hoffnung? Die Bibel ist voll von messianischen Passagen die eigentlich die Christen zu ihrer Hoffnung führen sollten. Das eschatologische Gewissen kam durch die Bibel in die Welt, steht bei Bloch. Und das hat mich fasziniert. Als ich ihn das erste Mal traf, fragte ich ihn:

«Aber Herr Bloch, Sie sind doch Atheist?»

Worauf er mir antwortete:

«Ich bin ein Atheist um Gottes Willen!»

Und das ist ein nachdenkenswerter Satz. Sein Marxismus hat mich nie besonders bewegt, ich glaube, auch ihn nicht.

der Christ; pl die Christen Christian person (noun)
das Denken thought
der Geist; pl die Geister mind, spirit
das Gewissen conscience
das erste Mal the first time
der Niederschlag precipitation, fallout; Niederschlag finden find expression
der Satz sentence

antworten answer
begegnen meet, confront, encounter
bewegen move, concern
finden/fand/gefunden find
führen lead
kommen/kam/gekommen come
prägen/geprägt stamp, mint, coin; shape, form, leave its mark; characterize
sagen/gesagt say
sollten (subj of sollen) should
stehen stand, to be, (of writing) to be found, be written (geschrieben sein)
treffen/traf to meet

aber but
bei at the home of; in the works of
bekannt adj well known; [ppc pf bekennen confess or acknowledge]
berühmt famous
besonders especially
eigentlich really, actually
einmal one time
großartig wonderful, superb
in die Welt (acc) into the world
nachdenkenswerter worthy of reflection (think-after-worth)
voll full
wo where?
worauf to which (whereupon)

 

  • um Gottes Willen a common expression meaning no more than “for heaven’s sake”; but Moltmann takes it literally, “for God’s sake.”

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7 of 17 (For full text and audio, go to Radio Vaticana)

AP: Seit Erscheinen Ihres erfolgreichen Werkes Theologie der Hoffnung sind
mehr als 35 Jahre vergangen. Hat sich an diesem Gedankenwerk im Prinzip
etwas geändert?

JM: Also an der Hoffnung kann sich nur etwas ändern, wenn sie entweder tief enttäuscht, oder wenn sie erfüllt wird. Solange sie aber weder enttäuscht noch erfüllt ist, bleibt die Hoffnung bestehen, wie ein Stern der Verheißung über unserem Leben. Wenn man sich die Geschichte der Welt oder die eigene Lebensgeschichte ansieht, wird man sagen können: noch ist Polen nicht verloren, noch ist Polen nicht gewonnen, noch ist Europa nicht verloren, noch ist Europa nicht gewonnen. Also leben wir in der Hoffnung und in der Kraft der Hoffnung.

das Erscheinen appearance, publication
das Gedankenwerk thought-work, intellectual accomplishment, (thought-work sounds redundant in English; probably better just to translate “work”)
die Geschichte history
die Kraft power
die Lebensgeschichte life history, history of one’s life
der Stern star
die Verheißung promise

ändern transitive change something; sich ändern intransitive change
ansehen/ansieht; look at; (reflexive similar) sich ansehen have a good look at, examine closely, see for oneself
bestehen be, exist, remain
bleiben, remain (bleibt . . . bestehen continues to exist)
enttäuschen (trans) disappoint, betray, be disappointing
erfüllen fulfill
leben live
vergehen/vergangen pass

also therefore, so
eigen one’s own
entweder . . . oder either . . . or
erfolgreich successful
gewonnen won (ptc as adj from gewinnen win)
noch . . . nicht not yet

veloren lost (ptc as adj from verlieren, lose)
tief deep/ly
weder . . . noch neither . . . nor

  • “noch ist Polen nicht verloren, noch ist Polen nicht gewonnen” Proverbial, meaning something like “It ain’t over ’til it’s over.”

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lw.jpg Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.

wovon . . . darüber where . . . there (or “whereof . . . concerning that)
schweigen be silent

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Grammar Update

There is now a new page under “Verbs” called “Verb Basics.” I hope to add further notes on verbs in the next few days and weeks.

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6 of 17 (For full text and audio, go to Radio Vaticana)

AP: Der Mensch kann sich die zeitliche Unendlichkeit ebenso wenig vorstellen, wie die räumliche oder dimensionale Unendlichkeit. Kann der Mensch diese Dinge mit seiner begrenzten Erkenntniskraft überhaupt erfassen? Was ist Zeit, was Ewigkeit?

JM: Zeit ist für mich die Verheißung der Ewigkeit. Und Ewigkeit ist die Erfüllung der Zeit. Ewigkeit ist erfülltes Leben. Nicht die Zeitlosigkeit, das wäre eine falsche Unendlichkeit oder eher eine Endlosigkeit. Aber Endlosigkeit hat mit der qualitativen Endlichkeit nichts zu tun. Wir gehen nicht mehr auf Plato zurück, wenn wir von Ewigkeit sprechen, sondern auf Boetius: Ewigkeit ist erfülltes Leben, in dem nichts mehr zu wünschen übrig bleibt.

die Endlosigkeit endlessness
die Erfüllung fulfillment; erfüllt fulfilled
die Erkenntniskraft power of knowledge
die Ewigkeit eternity; ewig eternal
der Mensch a human being
der Raum space; räumlich spacial
die Unendlichkeit infinity
die Verheißung promise
die Zeit time; die Zeitlosigkeit timelessness; zeitlich of time

begrenzten mark the boundary; restrict, limit
bleiben remain
erfassen seize, grasp
sich vorstellen picture, imagine
wünschen wish

ebenso … wie as little … as
eher sooner, rather, more likely,
überhaupt entirely, at all, absolutely
übrig remaining, left
wenig little
zurück back

  • Boethius on Eternity: [the following excerpt is from the Stanford Encyclopedia of Philosophy–the entire article is worth reading.] In Boethius the contrast (which Boethius believes to be a ‘common judgement’) is drawn between timeless eternity which only God enjoys, and the sempiternity which (according to Plato) the world itself possesses.

    It is the common judgment, then, of all creatures that live by reason that God is eternal. So let us consider the nature of eternity, for this will make clear to us both the nature of God and his manner of knowing. Eternity, then, is the complete, simultaneous and perfect possession of everlasting life; this will be clear from a comparison with creatures that exist in time. …for it is one thing to progress like the world in Plato’s theory through everlasting life, and another thing to have embraced the whole of everlasting life in one simultaneous present. (Boethius, 1969, V.VI.)

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