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Archive for June, 2008

March 9, 1944 to Eberhard Bethge, from Tegel

Ich habe mich in letzter zeit mit der nicht durch die Renaissance bedingten, sondern aus dem Mittelalter, vermutlich aus der Kaiseridee im Kampf gegen das Papsttum, erwachsenen “Weltlichkeit” des 13. Jahrhunderts (Walther, Nibelungen, Parsival, erstaunlich die Toleranz gegen die Mohammedaner in der Gestalt des Halbbruders Parsivals Feirefiz!, Naumburger und Magdeburger Dom) beschäftigt.

Es is nicht eine “emanzipierte”, sondern eine “christliche”, aber antiklerikale Weltlichkeit.

Wo ist diese, von der Renaissance ganz wesensverschiedene, “Weltlichkeit” eigentlich agbebrochen?

Ich glaube, bei Lesing – im Unterschied zur westlichen Aufklärung – noch etwas davon zu entdecken, in anderer Weise auch noch bei Goethe und später bei Stifter und Mörike (von Claudius und Gotthelf ganz zu schweigen), garnicht aber bei Schiller und den Idealisten.

Es wäre so wichtig, hier zu einer guten Ahnenreihe zu kommen. Dabei stellt sich auch die Frage, welche Bedeutung der Antike noch zukommt. Ist sie noch ein echtes Problem und eine Kraftquelle für uns oder nicht? Die moderne Betrachtung unter dem ästhetischen Gesichtspunkt des “polis-Menschen” haben wird doch eigentlich auch schon hinter uns. Die klasizitische Betrachtung unter dem ästhetischen Gesichtspunkt ist doch nur noch für Wenige von Bedeutung und etwas museal. Die humanistischen Grundbegriffe – Menschlichkeit, Toleranz, Milde, Maß – sind schon bei Wolfram von Eschenbach und im Bamberger Reiter etc. in schönster Weise da und uns hier zugänglicher und verbindlicher als in der Antike selbst.

die Ahnenreihe genealogy

die Aufklärung the Enlightenment

die Antike classical antiquity

das Altertum antiquity

Gesichtspunkt aspect, point of view

die Gestalt form, shape

Grundbegriff basic concept

der Halbbruder half brother

die Idealisten (pl) the Idealists

der Kampf struggle

die Kraftquelle source of power

das Maß measure, dimension, proportion

die Menschlichkeit humanism

die Milde leniency, gentleness

das Papsttum papacz

der Mohammedan Muslim

der Unterschied difference

der Vorgang act

die Weise way

die Weltlichkeit worldliness

beschäftigen sich occupy onself with; study

entdecken discover

schweigen be silent

verstehen understand

zusammenhängen relate to, be connected with

***

abgebrochen broken off

bedingt conditional, conditioned

erstaunlich astonishing

erwachsen grown up, come of age

geschlossen closed

gültig valid

mindestens least, at least

museal museum-like

verbindlich authoritative, binding

vermutlich presumably, probably

wesensverschiedene essentially different

wichtig important

zugänglich accessible

polis (Greek) city, city state

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Warum . . .

Dave Black provided a link to this site giving twelve reasons why you should study German.  The site also provides links to many resources.

My daughter Tabitha, who works at Mother Earth News, gave me this tip: The U.S. Foreign Service has developed a number of free language courses, including German, which are available here.  Click the language of your choice, then tape 1 (etc.) and you will be able to download an mp3 file.

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March 9, 1944 to Eberhard Bethge, from Tegel

Ich habe noch nicht auf Deine Gedanken über Michelangelo – Burckhardt – “hilaritas” geantwortet. Es leuchtet mit einerseits ein, jedenfalls was Burckhardts Thesen angeht. Anderseits darf man die hilaritas nicht nur als die klassische Heiterkeit (Raffael, Mozart) verstehen; auch- ein paar Namen zu nennen- Walther von der Vogelweide, der Bamberger Reiter, Luther, Lessing, Rubens, Hugo Wolf, K. Barth haben etwas von der hilaritas, die ich auch als

Zuversicht zum eigenen Werk, als Kühnheit und Herausforderung der Welt und des vulgären Urteils, als feste Gewißheit, der Welt mit dem eigenen Werk, auch wenn es ihr nicht gefällt, etwas Gutes zu erweisen, als hochgemute Selbstgewißheit

beschreiben möchte.

Ich gebe zu, daß Michelangelo, oder auch Rembrandt, – und mit Abstand – Kierkegaard, Nietzsche auf ganz anderer Linie liegen als die vorher genannten.

Es liegt etwas weniger Thetiches, Evidentes, Abgeschlossenes in ihren Werken, etwas weniger Überwundenes, weniger Abstand von sich selbst und Humor. Trotzdem würde ich auf einige von ihnen den Begriff der hilaritas in dem beschriebenen Sinne anwenden, als notwendige Attribut der Größe.

Hier liegt die – vermutlich bewußte – Schranke Burckhardts.

der Abstand distance, difference

das Abgeschlossen isolated thing

der Gedanke thought

das Größe greatness

die Heiterkeit cheerfulness

die Herausforderung challenge

die Kühnheit boldness

die Linie line

die Schranke barrier, limit

Thetich assertive (?)

das Überwunden (inf) overcoming

das Urteil judgment, opinion

die Zuversicht confidence

angehen begin, engageantworten, geantworten answer

anwenden use, apply

einleuchten be clear

erweisen prove

nennen call

verstehen understand

beschrieben described, specified

bewußt conscious

trotzdem nevertheless

vermutlich presumable/ly

hilaritas Latin, cheerfulness; from Greek hilaros.

Jacob Burckhardt, Swiss art and culture historian (bio here), author of The Civilisation of the Period of the Renaissance in Italy (google books here). Bryn Mawr review essay here.

der Bamberger Reiter The Knight of Bamberg; famous statueof a rider on horse from the Cathedral of St. Peter and St. George at Bamberg, ca. 1215 photo.

Gotthold Ephraim Lessing literary genius of the Enlightenment, wrote dramas and drama criticism (Hamburgische Dramaturgie). His Laocoon:: An Essay on the Limits of Painting and Poetry inspired Goethe. (Bio, Wikipedie).

Peter Paul Rubens, Flemish painter 1577-1640, catalog of online paintings here.

Walther von der Vogelweide (ca 1170-1230) “belongs to the remarkable flowering in German literature at the end of the 12th century and in the first decades of the 13th century” (Literary Encyclopedia). Wikipedia article includes an excerpt from “Unter den Linden” with a translation, here. The full poem, untranslated (and with popup ads!) is available here.

Hugo Wolf (1860-1903) Austrian composer.

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Charles Halton at Awilum recently noted an online source, Bibelwissenschaft, that provides free access to several German translations of the Bible (including the 1984 revision of Luther and Gute Nachricht) as well as the standard Hebrew, Latin, and Greek texts of the Bible.  The texts are searchable for those who register.

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Jan 23, 1944 to Eberhard Bethge from Tegel

Bonhoeffer discusses “Bildung,” education as character formation.  He seems to be using “Bildung” in the sense of Werner Jaeger’s exposition of the Greek concept of Paideia.  Jaeger taught at Berlin until 1936, when he migrated to the U.S. with his Jewish wife.  The first volume of Jaeger’s Paideia was published in 1934.

Deine Erinnerung an Sokrates zum Thema Bildung und Tod ist vielleicht sehr fruchtbar. Ich muß darüber noch nachdenken. Klar ist mir an dem ganzen Problem eigentlich nur, daß eine, “Bildung”, die in der Gefahr versagt, keine ist. Bildung muß der Gefahr und dem Tod gegenübertreten können –

“impavidum ferient ruinae” (Horaz)

(“einen Unerschrockenen werden die Ruinen treffen”) –

wenn sie ihn auch nicht “überwinden” kann; was heißt überwinden? Im Gericht die Vergebung, im Schrecken die Freude finden? Aber darüber müssen wir noch mehr sprechen. [ . . . ]

die Bildung education, character formation
die Erinnerung memory, remembering
die Freude joy, pleasure
die Gefahr danger
das Gericht court, judgment
der Schreck fright
das Thema theme
der Tod death
der Unerschrocken fearless man (adj as noun); < erschrocken ppc of erschrecken frighten
die Vergebung forgiveness

gegenübertreten face
heiße call, mean
nachdenken reflect
treffen hit, find, reach, meet
überwinden overcome
versagen fail

darüber about this
fruchtbar fruitful
klar clear
vielleicht perhaps

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January 23, 1944

to Eberhard Bethge, from Tegel

In this long letter, Bonhoeffers thoughts range from friendship to education and culture, to preparation for suffering and death. Here he meditates about the anguish of Christ in the garden.

Zu Deiner Bemerkung über die “Angst Christi”: Sie wird doch nur im Gebet (wie auch in den Psalmen) ausgesprochen (es ist mir immer noch dunkel, warum die Evangelisten dieses Gebet, das kein Mensch gehört haben kann, – die Auskunft, daß Jesus es den Jüngern im evangelium quadraginta dierum offenbart habe, ist eine Ausflucht!-, berichten; kannst Du mir dazu etwas sagen?).

die Angst anxiety, fear, dread
die Ausflucht excuse
die Auskunft information
die Bemerkung remark
die Bildung education (character formation)
das Gebet prayer
der Jünger disciple

aussprechen pronounce
berichten report
hören, gehört hear

dazu to this
dunkel dark, obscure, unclear

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to Eberhard Bethge, January 23, 1944 (Tegel)

In his unfinished Ethics, Bonhoeffer stated that the commandment of God reaches one in four “Mandates” or areas of life: Marriage, Work, State, Church. In this letter he ponders the place of friendship in this scheme. Friendship is not a mandate but belongs to the realm of freedom.

Was Du in diesem Zusammenhang über die Freundschaft, die sich im Unterschied zu Ehe und Verwandtschaft keiner allgemein anerkannten Rechte erfreut und die daher ganz auf dem ihr innewohnenden Gehalt ruht, sagst, finde ich sehr gut beobachtet. Es ist ja tatsächlich nicht leicht, die Freundschaft soziologisch einzuordnen. Sie muß wohl als ein Unterbegriff des Kultur- und Bildungsbegriffs verstanden werden, während Bruderschaft unter den Kirchenbegriff und Kameradschaft unter den Begriff der Arbeit und den Begriff des Politischen fällt. Ehe, Arbeit, Staat und Kirche haben ihr konkretes göttliches Mandat, wie steht es aber mit Kultur und Bildung?

Ich glaube nicht, daß man sie einfach dem Arbeitbegriff unterordnen kann, so verlockend das in vieler Hinsicht wäre. Sie gehören nicht in den Bereich des Gehorsams, sondern in den Spielraum der Freiheit, der alle drei Bereiche der göttlichen Mandate umgibt.

Wer von diesem Spielraum der Freiheit nichts weiß, kann ein guter Vater, Bürger und Arbeiter, wohl auch ein Christ sein, aber ob er ein voller Mensch ist (und insofern auch ein Christ im vollen Umfang des Begriffes), ist mir fraglich. Unsere “protestantisch” (nicht lutherisch!)-preußische Welt ist so stark durch die 4 Mandate bestimmt, daß der Speilraum der Freiheit dahinter ganz zurückgetreten ist.

Ob vielleicht – so scheint es heute fast – der Begriff der Kirche es ist, von dem aus allein das Verständnis für den Spielraum der Freiheit (Kunst, Bildung, Freundschaft, Spiel) wieder zu gewinnen ist?

also die “ästhetische Existenz” (Kierkegaard) gerade nicht aus dem Bereich der Kirche zu verweisen, sondern gerade in ihr neu zu begründen wäre? ich glaube das eigentlich, und der Anschluß an das Mittelalter würde auch von hier aus neu gewonnen werden! Wer kann denn z.B. in unseren Zeiten noch unbeschwert Musik oder Frendschaft pflegen, speilen und sich freuen? Sicher nicht der “ethische” Mensch, sonder nur der Christ.

Gerade weil die Freundschaft in den Bereich dieser Freiheit (“des Christenmenschen”!?) gehört, muß man sie allem Stirnrunzeln der “ethischen” Existenzen gegenüber zuversichtlich verteidigen – gewiß ohne den Anspruch auf die “necessitas” eines göttlichen Gebote, aber mit dem Anspruch auf die “necessitas” der Freiheit! Ich glaube, daß innerhalb des Bereiches dieser Freiheit ist Freundschaft das weitaus seltenste – wo gibt es sie eigentlich noch in unserer vorwiegend durch die 3 ersten Mandate betimmten Welt? – und kostbarste Gut ist. Es läßt sich mit den Gütern der Mandate nicht vergleichen, es ist ihnen gegenüber sui generis, aber gehört doch zu ihnen wie Kornblume zum Ährenfeld.

Ährenfeld cornfield
der Anschluß access, connection
der Anspruch claim
die Arbeit work;
der Arbeitbegriff concept of work;
der Arbeiter worker
der Begriff; in compounds -begriff concept of
der Bereich area, domain, scope
die Bildung education
die Bruderschaft brotherhood
der Bürger citizen
der Christ Christian
Christus Christ
die Ehe marriage
die Freiheit freedom
die Freundschaft friendship
das Gebot commandment
der Gehalt content; das Gehalt salary
der Gehorsam obedience
die Güter (pl) goods
die Hinsicht aspect, regard, respect
die Kameradschaft comradeship, being comrades
die Kirche church; der Kirchenbegriff concept of church
die Kornblume cornflower
die Kultur culture
das Mandat mandate
der Mensch
human being
das Mittelalter the Middle Ages
das Recht law, justice, right
das Spiel play, game, sport
der Spielraum leeway, scope
das Stirnrunzeln frown, raised eyebrows
der Umfang amount, breadth, area
der Unterbegriff subtopic
der Unterschied difference
der Vater father
das Verständnis comprehension
die Verwandtschaft affinity
der Zusammenhang connection, relation

begründen account for, base, establish
beobachten find, observe
bestimmen effect, assign, determine
einordnen classify
sich erfreuen rejoice in, enjoz
sich freuen be happy
gehören belong to
gewinnen win, gain, acquire
pflegen attend to, maintain, cultivate
ruhen rest
scheinen seem
spielen play
stehen stand, be
umgeben encircle, surround
verstanden understand
verteidigen defend, advocate
verweisen refer to
zurücktreten rescind, retreat, withdraw

anerkannt recognized, accepted
bestimmt determined, certain
fast almost
gegenüber opposite, compared to
gerade directly, straight
gewiß certain
göttlich godly
innewohnend inherent
kostbar expensive; -ste (superl)
preußich Prussian
stark strong, strict
tatsäschlich factual
unbeschwert untroubled
verlockend tempting
vorwiegend prevalent, predominant
während while
weitaus by far
wieder again
zuversichtlich confident

necessitas (Lat) necessity
sui generis (Lat) in a class by itself

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