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Archive for the ‘Elizabeth Moltmann-Wendel’ Category

Der neueren historischen Forschung nach ist Jesus mit Männern und mindestens sechs Frauen durch Palästina gezogen.  Wir sind durch eine fast zweitausend Jahre alte Tradition daran gewöhnt, Jesus im Kreis von zwölf männlichen Jüngern zu sehen.
. . .
Fragt man hinter diese judenchristliche Redaktion und Stilisierung zurück, so trifft man auf eine Frauengruppe, die für das Leben und Sterben Jesu und für die Entstehung der ersten christlichen Gemeinden genauso wichtig war wie die männlichen Jünger.  Wir kennen sechs Namen: Johanna, Frau eines Regierungsbeamten des Herodes, Susanna, eine Jüdin, die geheilt wurde, Maria, Frau des Jüngers Kleopas, Maria, Mutter des Jakobus und Jesus, Salome, Mutter der Fischer-Jünger Jakobus und Johannes, Maria Magdalena, die geheilt wurde und später führend in der Urkirche wurde (Mk 15,40; Lk 8,2 ff, 24,10; Joh 19,25).

Hauptwörter

die Entstehung emergence, origin
die Forschung research
die Gemeinde community
der Jünger disciple
der Kreis circle
das Leben life
der Regierungsbeamte government official
das Sterben death
die Stilisierung stylizing
Urkirche early church

Zeitwörter

fragen hinter . . . zurück investigate behind
gewöhnen (sich) become accustomed to

heilen, geheilt heal
kennen know
treffen meet
ziehen, ist gezogen pull, bring up, move

Andere Wörter

führend leading, prominent
genauso . . . wie exactly as X . . . as Y
gewöhnt accustomed
hinter behind
mindetens at least
nach “according to” (with dat case) normally a preposition, here follows its noun phrase.
zurück back

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Jesus hat mit seinem Familienverband gebrochen, obwohl er nach herrschender Sitte als Ältester von acht Geschwistern nach dem Tode des Vaters für seine Familie hätte sorgen müssen.  Frauen wie Männern begegnet er mit absoluter Natürlichkeit und spontaner Selbtverständlichkeit.  Er spricht beide gleich an, “in partnerschaftlicher Sachlichkeit”, als ob es nie Unterschiede und Diskriminierungen gegeben hätte.  Er fordert zwar zu keiner Emanzipation auf, wie er auch zu keiner sozialen Revolution aufgerufen hat.  Aber in seiner Rede und in seinem Leben liegt etwas wie Dynamit, das soziale Schranken und Geschlechtertrennung einmal aufheben kann.

Frauen sind genauso verlassen und gottfern wie Männer (Lk. 7,36).  Sie werden genauso wie Männer in seine Nachfolge und Jüngerschaft gerufen (Lk. 8,2).  Wie selbstverständlich geht Jesus in ihre Häuser (Lk. 10,38), und wie selbstverständlich durchbrechen im gleichen Stil Frauen die herrschende Sitte, indem sie sich wie Schüler aufführen.  Schon der Tischdienst der Frau ist bei strengen Juden unmöglich.  Gelegentlich kommt allerdings eine dienende Frau zu Füßen des Rabbi vor.  Aber “eine Jüngerin, die nur den Worten des Meisters lauscht, ist ungewöhnlich”-so der jüdische Philosoph Ben Chorin.  “Mögen die Worte der Thora verbrannt werden, aber man soll sie nicht den Weibern ausliefern”, heißt es im Spätjudentum.  Zu spontaner Leidenschaft erweckt, bezeugt eine andere Frau Jesu ihre Liebe, indem sie kostbarste Salbe über seine Füße gießt (Lk. 7,36 ff).

Hauptwörter

der Familienverband family unit
der Fuß, foot die Füße feet
die Geschlechtertrennung sexual segregation
das Geschwister sibling
der Jünger, die Jüngerin disciple, learner
die Jüngerschaft discipleship
die Leidenschaft passion
die Liebe love
die Nachfolge discipleship, following
die Sachlichkeit objectivity
die Salbe ointment
das Schranken barrier
die Selbstverständlichkeit naturalness
der Stil style
der Tischdienst serving at table
der Tod death
das Weib woman, female

Zeitwörter

an/sprechen address, approach
aufführen sich act as if
aufheben set aside, cancel, repeal (legal), ‘sublate’ (philos-Hegel)
aufrufen call on, appeal, call for
ausliefern deliver, hand over
begegnen encounter, meet

bezeugen testify, attest, pay tribute
brechen, gebrochen
break
durchbrechen
break through, breach
erwecken
arouse, inspire, awaken
fordern
demand
gießen
spill, pour
lauschen
overhear, eavesdrop
mögen
may, be able to
rufen, gerufen call
sorgen
care for, provide for
_  hätte sorgen müssen
had to care for
verbrennen
burn
vor/kommen
appear, be found

Andere Wörter

dienend serving
gelegentlich occasional
genauso just as
gottfern far from God
herrschend dominant
kostbar
costlyst (superl) most costly
obwohl although
selbstverständlich natural, as a matter of course
ungewöhnlich
unusual, unorthodox
verlassen
forsaken, abandoned
es nie gegeben hätte there had never been

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Auf dem Hintergrund dieser Welt ist Jesus und seine Botschaft zu sehen.  Palästina, wo Jesus auftritt, ist zwar keineswegs schon die große Welt mit fortschrittlichen Ansichten, emanzipierten Damen und einsichtigen Männern, die die selbständige Frau tolerieren.  Palästina ist im fortschrittlichen römischen Reich, wo viele Kulturen und Religionen damals sich mischten und vielfältige Lebensstile sich eröffneten, eine kleine konservative Enklave.

Noch bestimmten jüdische Tradition und Gesetzesauslegung trotz mancher Reformbestrebungen das Bewußtsein der Menschen und die Sitten des Landes.  Noch dankte der fromme Jude morgens Gott, daß er kein Ungläubiger, kein Sklave und keine Frau sie.  “Wehe dem, dessen Kinder Weiblich sind”, heißt es in der Überlieferung.  Die Welt ist aufgeteilt in männlich dominierende Vernunft und weibliches Gefühl (Josephus).

In der Synagoge sitzen Frauen auf der Empore, gehen also gar nicht durch das geheiligte Innere des Gotteshauses.  Ob sie da sind oder nicht, hat für das Zustandekommen des Gottesdienstes nach orthodoxer jüdischer Sitte keine Bedeutung.  Bekenntnisse und Dankgebete dürfen sie nicht sprechen.  Nur das Tischgebet ist ihnen erlaubt.  Das jüdische Patriarchat ist streng, auch wenn manche frauenfreundlichen Züge nicht fehlen.  Von einer Frauenemanzipation ist natürlich keine Rede.

Um so auffallender ist die Botschaft und Erscheinung Jesu.

Hauptwörterdie Ansicht opinion, view
das Bekenntniss confession
das Bewußtsein consciousness
die Bottschaft message
das Dankgebet prayer of thanksgiving
die Empore gallery
die Erscheinung appearance
das Gefühl feeling, sentiment
die Gesetzesauslegung legal interpretation
der Gottesdienst divine service, worship
der Hintergrund background
der Lebensstil lifestyle
die Reformbestrebung effort, attempt at reform
die Sitte custom
das Tischgebet table grace
die Überlieferung tradition
der Ungläubiger unbeliever
die Vernunft reason
der Zug, die Züge feature, trait
das Zustandekommen achievement, agreement
Zeitwörter
auftreten appear
aufteilen, aufgeteilt divide, partition
danken thank
erlauben allow
eröffnen sich be open
fehlen lack
mischen sich mix
zustandekommen be achieved, accomplished

Andere Wörter

auffallend conspicuous, striking
damals then
einsichtig reasonable, clear
fortschrittlich progressive, modern
geheiligt hallowed
keineswegs in no way
selbständig independent
vielfältig manifold, varied
wehe woe
weiblich female

Manuela Kalsky surveys criticism of the anti-Jewish assumptions in some feminist approaches to the historical Jesus, here.

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Auch die Zeit Jesu und des Neuen Testaments ist solche Zeit, wo die Frau–allerdings nur die der Oberschicht–eine neue Selbständigkeit und Kultur entwickelt hatte.  Das ist später für die Geschichte der Urgemeinde wichtig. . . . Eine Frauenemanzipation war in Gange, die bis ins zweite Jahrhundert nach Christus reichte.  Plato hatte im vierten Jahrhundert vor Christus schon von der prinzipiellen ethischen Gleichwertigkeit der Frau gesprochen.  Allerdings sollte die politische Herrschaft des Mannes und die Sozialstruktur des Staates davon nicht betroffen sein.  In den Philosophenschulen der Stoa und des Neuplatonismus forderte man sogar Gleichberechtigung und Monogamie.

So hatte sich die Frau um die Zeitwende unter dem Wohlwollen der Philosophen einen Platz in der Gesellschaft erobert.  Sie eignete sich Bildung an, reiste allein, konnte Vermögen erwerben, z.B. als Rennstallbesitzerin, Ärztin und Geschäftsfrau Anerkennung finden. . . . Die Vorherrschaft des Mannes war in Frage gestellt, auch wenn heftige Diskussionen darüber nicht fehlten und in der offiziellen Ethik das Ideal der beflissen-züchtigen Hausfrau fortbestand und selbst das Philosophiestudium in den Dienst der guten Haushaltsführung gestellt werden konnte: “Nur eine Frau, die in Philosophie geübt ist, kann eine gute Hausfrau sein” (Musonius).

Die soziale und kulturelle Struktur der Gesellschaft blieb also von der Emanzipationsbewegung ziemlich unberüht.  Man suchte ein “harmonisches Zusammenleben” im Einklang der Interessen.  Doch eine Sozialrevolution fand nicht statt.  So blieb praktisch der Mann in der Ehe der führende Teil.  Geist und Leib fanden nicht zur Versöhnung, und Gleichberechtigung blieb eine abstrakte Forderung, die an der römischen Recht geprägten gesellschaftlichen Wirklichkeit scheiterte.

Hauptwörter
die Anerkennung acceptance, admission
der Arzt, die Ärztin physician, doctor
die Bewegung movement
die Bildung education
der Dienst service
die Ehe marriage
der Einklang concord, harmony
die Forderung demand, claim
der Gang walk, path, course
die Gesellschaft society
die Gleichberechtigung equality, equal rights
die Gleichwertigkeit equality, equal value
die Haushaltsführung housekeeping
die Herrschaft dominance, rule
das Interesse interest
die Oberschicht upper class
das Recht law, justice
die Rennstallbesitzerin owner of a racing stable
die Selbständigkeit independence, autonomy
die Urgemeinde early (Christian) community
das Vermögen property
die Versöhnung reconciliation
die Vorherrschaft dominance, supremacy
die Wirklichkeit

das Wohlwollen good will
die Zeitwende turning point in history
Zeitwörter
aneignen sich acquire
betreffen, betroffen affect
bleiben, blieb remain
entwickeln develop
erobern capture
erwerben acquire, own
fehlen lack
fordern demand, claim
fortbestehen, -bestand continue to exist
prägen, geprägt stamp, shape, form
reichen reach, extend
reisen travel
sprechen, gesprochen speak
scheiteren collapse, fail
statt/finden happen, proceed, take place
stellen place, pose (a question) in Frage gestellt called into question
üben, geübt practice, exercise, train

Andere Wörter
allerdings admittedly, indeed, however
beflissen assiduous
gesellschaftlich social
heftig vehement, violent
in Gange sein to be in progress
sogar even, actually
viert fourth
wenn if
wichtig important
unberüht disturbed
ziemlich rather, pretty much
züchtigen chaste
z.B. zum Beispiel for example, e.g.

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Elisabeth Moltmann-Wendel

Elisabeth Moltmann-Wendel

Elisabeth Wendel was the second woman to receive a doctorate in theology from Göttingen.  The first had been a married women, whom the faculty had designated domina doctissima on the diploma, in place of the traditional vir doctissimus.  Elisabeth received her degree a year before her fellow student Jürgen Moltmann, and before they were married.  Her diploma honored her as virgo doctissima.

In her autobiography, Elisabeth Moltmann-Wendel describes a warm relationship with her father and says she personally had no trouble thinking of God as Father, although she understood why some others did.  She describes her marriage as mostly happy, but her personal happiness was hindered by the patriarchy of German society and church.  The only “career” open to her was that of pastor’s wife.  She said there was never “another woman” in their marriage, but there was a time when she felt neglected by her husband’s preoccupation with a book and a man: the philosopher Ernst Bloch and his Principle of Hope.

Elisabeth Moltmann-Wendel became a pioneer in feminist theology in Germany, leading women’s workshops and study groups, organizing events, editing and writing, while raising four daughters.  Her autobiography describes interaction, sometimes painful, with other feminists who took a more radical approach.

The short book from 1977 on the emancipation of women covers biblical, theological, philosophical, political, and historical themes.  Some of her findings on New Testament themes are now taken for granted; in a few other areas there may be a different consensus after thirty years of research and reflection.

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Die antike Welt ist bekannt als die Welt des Mannes, des Patriarchats.  Homer, Odysseus, Caesar und Augustus machten Geschichte, füllten die Literatur und prägten die alte Welt.  Frauen dieser Zeit wurden nur bekannt, wenn sie wegen politischer, gesellschaftlicher, sexueller oder sonstiger Extravaganz aus der Rolle fielen.  Ihre Namen sind selten und ihre Außenseitertum ist typisch.

In Familie, Gesellschaft, Politik und Kultus hat der Mann die dominierende Rolle.  Ihm werden Verstand, Leistung, Kraft zugeschrieben und damit Qualitäten, die ihn von der angeblich gefühlsbetonteren, schwächeren und folglich niedriger stehenden Frau unterscheiden.  Nach Aristotles ist der Mann die Hochform des Menschseins.Der Mann verhält sich zur Frau auf Grund der Natur wie das Bessere zum weniger Guten.  Für den jüdischen Philosophen Philo “hat die Stellung des Mannes die Vernunft inne, die des Weibes aber die Sinnlichkeit”.

Elizabeth Moltmann-Wendell, Freitheit-Gleichheit-Schwesterlichkeit: Zur Emanzipation der Frau (München: Christian Kaiser Verlag, 1977).

Hauptwörter
das Außenseitertum condition of being an outsider
die Geschichte history
die Gesellschaft society
die Hochform high form
die Kraft strength, power
die Leistung achievement
das Menschsein being human, human existence
die Sinnlichkeit sensuality
die Stellung position, status
die Vernunft reason
das Weib woman, female

Zeitwörter
fallen, fiel fall
füllen fill

prägen stamp
unterscheiden von distinguish  from
verhalten sich behave
zuschreiben ascribe

Andere Wörter
angeblich alleged/ly
auf Grund on the basis of
bekannt known, recognized
besser better
folglich consequently, therefore
gefühlsbetont emotional, –er (cpv) more emotional
niedrig inferior
schwach weak
schwächer (cpv) weaker
weniger less

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