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to Eberhard Bethge, January 23, 1944 (Tegel)

In his unfinished Ethics, Bonhoeffer stated that the commandment of God reaches one in four “Mandates” or areas of life: Marriage, Work, State, Church. In this letter he ponders the place of friendship in this scheme. Friendship is not a mandate but belongs to the realm of freedom.

Was Du in diesem Zusammenhang über die Freundschaft, die sich im Unterschied zu Ehe und Verwandtschaft keiner allgemein anerkannten Rechte erfreut und die daher ganz auf dem ihr innewohnenden Gehalt ruht, sagst, finde ich sehr gut beobachtet. Es ist ja tatsächlich nicht leicht, die Freundschaft soziologisch einzuordnen. Sie muß wohl als ein Unterbegriff des Kultur- und Bildungsbegriffs verstanden werden, während Bruderschaft unter den Kirchenbegriff und Kameradschaft unter den Begriff der Arbeit und den Begriff des Politischen fällt. Ehe, Arbeit, Staat und Kirche haben ihr konkretes göttliches Mandat, wie steht es aber mit Kultur und Bildung?

Ich glaube nicht, daß man sie einfach dem Arbeitbegriff unterordnen kann, so verlockend das in vieler Hinsicht wäre. Sie gehören nicht in den Bereich des Gehorsams, sondern in den Spielraum der Freiheit, der alle drei Bereiche der göttlichen Mandate umgibt.

Wer von diesem Spielraum der Freiheit nichts weiß, kann ein guter Vater, Bürger und Arbeiter, wohl auch ein Christ sein, aber ob er ein voller Mensch ist (und insofern auch ein Christ im vollen Umfang des Begriffes), ist mir fraglich. Unsere “protestantisch” (nicht lutherisch!)-preußische Welt ist so stark durch die 4 Mandate bestimmt, daß der Speilraum der Freiheit dahinter ganz zurückgetreten ist.

Ob vielleicht – so scheint es heute fast – der Begriff der Kirche es ist, von dem aus allein das Verständnis für den Spielraum der Freiheit (Kunst, Bildung, Freundschaft, Spiel) wieder zu gewinnen ist?

also die “ästhetische Existenz” (Kierkegaard) gerade nicht aus dem Bereich der Kirche zu verweisen, sondern gerade in ihr neu zu begründen wäre? ich glaube das eigentlich, und der Anschluß an das Mittelalter würde auch von hier aus neu gewonnen werden! Wer kann denn z.B. in unseren Zeiten noch unbeschwert Musik oder Frendschaft pflegen, speilen und sich freuen? Sicher nicht der “ethische” Mensch, sonder nur der Christ.

Gerade weil die Freundschaft in den Bereich dieser Freiheit (“des Christenmenschen”!?) gehört, muß man sie allem Stirnrunzeln der “ethischen” Existenzen gegenüber zuversichtlich verteidigen – gewiß ohne den Anspruch auf die “necessitas” eines göttlichen Gebote, aber mit dem Anspruch auf die “necessitas” der Freiheit! Ich glaube, daß innerhalb des Bereiches dieser Freiheit ist Freundschaft das weitaus seltenste – wo gibt es sie eigentlich noch in unserer vorwiegend durch die 3 ersten Mandate betimmten Welt? – und kostbarste Gut ist. Es läßt sich mit den Gütern der Mandate nicht vergleichen, es ist ihnen gegenüber sui generis, aber gehört doch zu ihnen wie Kornblume zum Ährenfeld.

Ährenfeld cornfield
der Anschluß access, connection
der Anspruch claim
die Arbeit work;
der Arbeitbegriff concept of work;
der Arbeiter worker
der Begriff; in compounds -begriff concept of
der Bereich area, domain, scope
die Bildung education
die Bruderschaft brotherhood
der Bürger citizen
der Christ Christian
Christus Christ
die Ehe marriage
die Freiheit freedom
die Freundschaft friendship
das Gebot commandment
der Gehalt content; das Gehalt salary
der Gehorsam obedience
die Güter (pl) goods
die Hinsicht aspect, regard, respect
die Kameradschaft comradeship, being comrades
die Kirche church; der Kirchenbegriff concept of church
die Kornblume cornflower
die Kultur culture
das Mandat mandate
der Mensch
human being
das Mittelalter the Middle Ages
das Recht law, justice, right
das Spiel play, game, sport
der Spielraum leeway, scope
das Stirnrunzeln frown, raised eyebrows
der Umfang amount, breadth, area
der Unterbegriff subtopic
der Unterschied difference
der Vater father
das Verständnis comprehension
die Verwandtschaft affinity
der Zusammenhang connection, relation

begründen account for, base, establish
beobachten find, observe
bestimmen effect, assign, determine
einordnen classify
sich erfreuen rejoice in, enjoz
sich freuen be happy
gehören belong to
gewinnen win, gain, acquire
pflegen attend to, maintain, cultivate
ruhen rest
scheinen seem
spielen play
stehen stand, be
umgeben encircle, surround
verstanden understand
verteidigen defend, advocate
verweisen refer to
zurücktreten rescind, retreat, withdraw

anerkannt recognized, accepted
bestimmt determined, certain
fast almost
gegenüber opposite, compared to
gerade directly, straight
gewiß certain
göttlich godly
innewohnend inherent
kostbar expensive; -ste (superl)
preußich Prussian
stark strong, strict
tatsäschlich factual
unbeschwert untroubled
verlockend tempting
vorwiegend prevalent, predominant
während while
weitaus by far
wieder again
zuversichtlich confident

necessitas (Lat) necessity
sui generis (Lat) in a class by itself

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Heute ist Reformationsfest, ein Tag, der einen* gerade in unseren Zeiten wieder sehr nachdenklich machen kann. Man fragt sich, warum aus Luthers Tat Folgen entstehen mußten, die genau das Gegenteil von dem waren, was er wollte, und die ihm selbst seine letzten Lebensjahre verdüstert haben und ihm manchmal sogar sein Lebenswerk fraglich werden ließen. Er wollte eine echte Einheit der Kirche und des Abendlandes, d.h. der christlichen Völker, und die Folge war der Zerfall der Kirche und Europas; er wollte die “Freiheit des Christenmenschen” und die Folge war Gleichgültigkeit und Verwilderung; er wollte die Aufrichtung einer echten weltlichen Gesellschaftsordnung ohne klerikale Bevormundung und das Ergebnis war die Aufruh schon in Bauernkrieg und bald danach die allmähliche Auflösung aller** echten Bindungen und Ordnungen des Lebens.

*einen accusative; einen nachdenklich machen make one thoughtful

**aller echten Bindungen und Ordnungen (genitive pl: “of all genuine bonds and rules”)

das Abendland the West
die Auflösung dissolving, disintegration
die Aufrichtung establishment
der Aufruhr revolt
der Bauernkrieg peasant war
die Bevormundung treating like a child (transl: interference or control)
die Bindung bond, relationship
das Ergebnis result, outcome
die Folge result, consequence
das Gegenteil opposite
die Gesellschaftsordnung social order
die Gleichgültigkeit indifference
das Lebensjahr (-e pl) years of life
das Lebenswerk life’s work
die Tat deed, action
die Verwilderung
running wild
das Volk/Völker people, nation
der Zerfall disintegration, decay

d.h. das heißt that is called (equiv of “i.e.”, id est, that is)
entstehen result, arise
lassen/ließ let, allow
verdüstern
darken, make gloomy

bald almost
danach afterward, accordingly
echt genuine
genau exact(ly)
gerade straight, directly, especially
manchmal sometimes
nachdenklich thoughtful
weltlich secular

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