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Posts Tagged ‘Maria’s grandmother’

Ruth-Alice von Bismarck narrates (in the present tense):

Am 22. August (1942) fällt Marias Vater vor Stalingrad. Sie unterbricht das Pflichtjahr und kommt nach Hause. Dann muß sich ihre Großmutter in Berlin einer Augenoperation unterziehen, liegt dort im Franziskuskrankenhaus und bittet darum, daß Maria sie in dieser Zeit der völligen Dunkelheit pflegt und ihr vorliest. Ihre Tante Spe Stahlberg nimmt sie für diese Zeit bei sich auf.

Dietrich kommt öfter zum Krankenbesuch. Maria ist dabei.

«Ich wunderte mich über die vielen Besuche, und ich war beeindruckt von Dietrichs Treue. In dieser Zeit haben wir oft und lange miteinander gesprochen. Es war ein anderes Wiedersehen als im Juni. Ich stand noch stark unter der Erfahrung des Tode meines Vaters und brauchte Dietrichs Hilfe.»

Sie erinnert sich später auch daran, einmal von ihm in ein kleines Restaurant nahe bei der Klinik, das Hitlers Bruder gehörte, eingeladen worden zu sein. Es gäbe keinen sichereren Ort, um offen miteinander zu reden, habe er gesagt.

Marias Tagebuch, Oct 15, 1942

«Heut war ich zu Schleichers geladen. — Hans Walter wird morgen Soldat und wurde abgefeiert. —

Ich hatte ein sehr interessantes Gespräch mit Pastor Bonhoeffer. —

Er sagte, bei uns beruhe es auf Tradition, daß die Jungen sich freiwillig als Soldaten stellten und auch ihr Leben ließen für eine Sache, die sie möglicherweise gar nicht bejahten. Es müsse aber auch Menschen geben, die nur nach ihrer Überzeugung kämpfen könnten. Bejahten sie den Kriegsgrund, dann gut. Sei dies aber nicht der Fall, so könnten sie dem Vaterland am besten mit einem Wirken an der inneren Front, vielleicht auch einem Wirken gegen das Regime nützen. Es wäre daher ihre Aufgabe, so lang wie möglich vom Dienst der Wehrmacht fernzubleiben — und sogar unter Umständen, falls sie es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, Kreigsdienstverweiger zu sein. —

Ach, das ist logisch alles so klar und deutlich. Aber ist es nicht grausam, wenn ich an meinen Vater denke. . . »

  • die Schleichers Rüdiger Schleicher married Bonhoeffer’s sister Ursula. Hans Walter is their son and Bonhoeffer’s nephew. Eberhard Bethge married the Schleicher’s daughter Renate, Bonhoeffer’s niece.  Rüdiger was involved with Bonhoeffer in the conspiracy and was eventually executed.

die Aufgabe task
der Besuch visit
der Dienst service, duty
der Fall case
die Dunkelheit darkness
die Erfahrung experience
das Franziskuskrankenhaus Franciscan hospital
das Gespräch conversation
das Gewissen conscience
der Krankenbesuch visitation of the sick; um K. to visit the sick
der Krieg war
der Kriegsgrund grounds for war
der Kreigsdientverweigerer conscientious objector
der Ort place
das Pflichtjahr; duty-year; year of compulsory service
die Sache thing, matter, cause, reason
die Treue loyalty
die Überzeugung conviction
der Umständ circumstance
die Wehrmacht armed forces
das Wiedersehen seeing again, meeting, reunion
das Wirken (inf) work, effect

abfeiern take a day off; wird abgefeiert is off for the day
auf/nemen, -nimmt (pres 3 sg) pick up, lift up, receive, admit, take in
beindrucken impress, make an impression
bejahen affirm, agree with
beruhen be based on something
bitten ask
brauchen need
einladen invite
erinnern sich remember
fallen, fällt fall (in battle)
fern/bleiben remain far away
gehören belong to
kämpfen fight
laden, geladen invite (einladen)
lassen, ließ, gelassen let, leave, abandon, give up
liegen lie
nützen be useful
pflegen take care of
reden speak
seien
subj of sein, be; Sei dies aber nicht der Fall But should this not be the case . . .
stehen, stand stand, stay
stellen sich to present oneself, to report for military service
unterbrechen, -bricht to break off, interupt
unterziehen sich to undergo (with gen), to have (an operation)
vereinbaren
agree, arrange, reconcile with
verweigern refuse
vorlassen, -ließt (past tense) let in, admit, let go ahead
vorlesen, -liest (pres 3 sg.) read aloud

deutlich clear, distinct
falls in case; if
grausam cruel
heut(e) today
möglicherweise possibly
morgen
tomorrow
miteinander with one another
offen open/ly
öfter
more often
sicher sure/ly, certain/ly, safe; sicherer safer; -en (acc sg ending)
sogar even
völlig complete

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Maria describes Pastor Bonhoeffer’s visit with her grandmother in June, 1942:

Ich fürchte, ich hatte einen frechen Ton mit meiner Großmutter, der ihr Spaß machte und der auch weiterbehalten wurde, obgleich Dietrich erschien.

Wir unterhielten uns über Zukunftspläne. Mein Plan, Mathematik zu studieren, der von meinem Großmutter als dummer Flausen erklärt wurde, wurde aber von Dietrich, vielleicht gerade deswegen, ernstgenommen.

Wir gingen im Garten spazieren. Er erzählte, daß er in Amerika gewesen sei, und wir merkten mit Erstaunen, daß ich noch nie jemanden getroffen hatte, der dort gewesen war.

Ruth-Alice von Bismarck (Maria’s sister) narrates:

Maria fährt am nächsten Morgen ab, während Dietrich . . . an seiner Ethik arbeitet. Mitte June muß er wieder nach Berlin, und am Ende des Monats begibt er sich zusammen mit Hans von Dohnanyi auf eine Reise im Auftrag der Abwehr nach Italien.

die Abwehr lit ‘defense’; The German intelligence.
der Auftrag order, commission, mission
das Erstaunen amazement
die Flausen (pl) silly ideas, nonsense
die Reise journey
der Spaß fun, play; der ihn Spaß machte which was fun for her
der Ton tone
der Zukunftsplan -pläne future plan

abfahren, fährt (pr 3 sg), depart
arbeiten work
begeben sich (refl) undertake (a journey)
erklären explain
erscheinen, erschien (past) appear
fürchten be afraid, fear
merken notice
spazierengehen go for a walk, take a stroll
treffen, getroffen (ppc) hit, meet
unterhalten sich, –hielt (refl) have a conversation
weiterbehalten continue to hold, maintain

deswegen therefore, for that reason
dumm dumb, stupid
ernstgenommen taken seriously
frech fresh, impudent
gerade directly, precisely
jemand anyone
obgleich although
während while

  • *Because of his foreign connections B. was allowed to enter the Abwehr to collect intelligence for the Reich. He had contacts in the Abwehr, however, with the resistance; and so served as a double agent passing on information to them. Hans von Donanyi was Bonhoeffer’s brother-in-law (married to his sister Christine). Bonhoeffer and Donanyi were ultimately executed because of their resistance work in the Abwehr.
  • After the war Maria moved to America, graduating from Bryn Mawr and then settling in Boston.

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