Feeds:
Posts
Comments

Posts Tagged ‘religionless Christianity’

8 June 1944 to Eberhard Bethge from Tegel (1)

This is one of the important and influential letters on the theme of “the world come of age” or “religionless” Christianity.  Bonhoeffer’s statement that he is being led more by an instinct for future questions than by any clarity regarding the answers is important.  Whatever “religionless Christianity” meant for Bonhoeffer, it included faith, prayer, and Bible reading.  See previous posts, including the “Baptismal Letter.”

Du stellst nun inbezug auf die Gedanken, die mich in letzter Zeit beschäftigen, so viele wichtige Fragen, daß ich froh wäre, wenn ich sie selbst beantworten könnte.

Es ist eben noch alles sehr im anfang und es leitet mich, wie meist, mehr der Instinkt für kommende Fragen, als daß ich über sie schon Klarheit hätte.

Ich will versuchen, einmal vom Geschichtlichen meinen Standort zu bezeichnen.

Die etwa im 13. Jahrhundert-(ich will mich auf den Streit über den Zeitpunkt nicht einlassen)-beginnende Bewegung in der Richtung auf die menschliche Autonomie (ich verstehe darunter die Entdeckung der Gesetze, nach denen diie Welt in Wissenschaft, Gesellschafts- und Staatsleben, Kunst, Ethik, Religion lebt und mit sich selbst fertig wird) ist in unsrer Zeit zu einer gewissen Vollständigkeit gekommen.

Der Mensch hat gelernt, in allen wichtigen Fragen mit sich selbst fertig zu werden ohne Zuhilfenahme der “Arbeitshypothese: Gott”.  In wissenschaftlichen, künstlerischen, auch ethischen Fragen ist das eine Selbstverständlichkeit geworden, and der man kaum mehr zu rütteln wagt; seit etwa 100 Jahren gilt das aber in zunehmendem Maße auch für die religiösen Fragen; es zeigt sich, daß alles auch ohne “Gott” geht, und zwar ebenso gut wie vorher.  Ebenso wie auf wissenschaftlichem Gebiet wird in allgemein menschlichen Bereich “Gott” immer weiter aus dem Leben zurückgedrängt, er verliert an Boden.

Hauptwörter

der Anfang beginning
die Arbeitshypothese working hypothesis
der Bereich field, area
der Boden ground
die Bewegung movement
die Entdeckung discovery
die Frage question
das Gebiet region, sphere
das Geschichtliche the historical (perspective)
das Gesellschaftsleben social life
das Jahrhundert century
die Klarheit clarity
die Kunst art
das Leben life
das Maß measure, degree, extent
die Richtung direction
die Selbstverständlichkeit matter of course
Staatsleben political life
der Standort position
der Streit quarrel, argument
die Vollständigkeit completeness
die Wissenschaft science
der Zeitpunkt point in time
Zuhilfenahme the aid of

Zeitwörten

beantworten könnte could answer
beschäftigen occupy, consume one’s attention
bezeichnen indicate, describe
gelten, gilt be valid, be true
ist geworden has become
lernen, gelernt learn
leiten lead
rütteln shake (fig, question)
stellen place (pose a question)
verlieren lose
versuchen attempt
wagen dare, venture
zeigen show, sich turns out
züruckdrängen push back

Andere Wörter

allgemein general
etwa somewhere
gewiss certain
ich froh wäre I would be happy
inbezug relating to
menschlichen human
selbst (my)self
und zwar ebenso gut wie vorher and in fact just as well as before
wichtig important
zunehmend increasing

Advertisement

Read Full Post »

April 30, 1944 to Eberhard Bethge from Tegel, 3 of 7

Was mich unablässig bewegt, ist die Frage, was das Christentum oder auch wer Christus heute für uns eigentlich ist.

Die Zeit, in der man das den Menschen durch Worte-seien es theologische oder fromme Worte-sagen könnte, ist vorüber; ebenso die Zeit der Innerlichkeit und des Gewissens, und d.h. eben die Zeit der Religion überhaupt.

Wir gehen einer völlig religionslosen Zeit entgegen; die Menschen können einfach, so wie sie nun einmal sind, nicht mehr religiös sein. Auch diejenigen, die sich ehrlich als “religiös” bezeichnen, praktizieren das in keiner Weise; sie meinen also vermutlich mit “religiös” etwas ganz anderes.

Unsere gesamte 1900jährige christliche Verkündigung und Theologie aber baut auf dem “religiösen Apriori” der Menschen auf. “Chritentum” ist immer eine Form (vielleicht die wahre Form) der “Religion” gewesen.

Wenn nun aber eines Tages deutlich wird, daß dieses “Apriori” garnicht existiert, sondern daß es eine geschichtlich bedingte und vergängliche Ausdrucksform des Menschen gewesen ist, wenn also die Menschen wirklich rakidal religionslos werden-und ich glaube, daß das mehr oder weniger bereits der Fall ist (woran liegt es z.B. daß dieser Krieg im Unterschied zu allen bisherigen eine “religiöse” Reaktion nicht hervorruft?)-

was bedeutet das dann für das “Christentum”?

Hauptwörter

die Ausdrucksform form of expression

das Christentum Christianity, Christendom,

Christian civilization

der Fall case

das Gewissen conscience

die Innerlichkeit inwardnes

der Unterschied difference, distinction

die Verkündigung proclamation, preaching

die Weise way

Zeitwörter

aufbauen build on, construct on

bewegen move, concern

bezeichnen mark, describe

der/das/die-jenige the one;

pl diejenigen those

entgegen/gehen go toward, approach

meinen mean, think

praktizieren practice

seien subj of sein; seien es be it;

ist gewesen has been

hervorrufen call out, cause, give rise to

Andere Wörter

bedingt limited, conditioned

bereits already

bisherig previous/ly, up to now

deutlich clear

eigentlich really

fromm pious, devout

gesamt whole, entire

geschichtlich historical

unablässig continual/ly

vergänglich transitory

vermutlich presumable -bly

vorüber past

d.h. das heißt that is (i.e.)

z.B. zum Beispeil for example (e.g.)

Read Full Post »